Virtuell präsentieren mit PowerPoint & Co.

In die­sem Blog wur­de ja schon viel über das Prä­sen­tie­ren und das Erstel­len und Gestal­ten von Prä­sen­ta­tio­nen geschrie­ben (vgl. „The­men­sei­te ‚Prä­sen­tie­ren‘ “). Eine Fra­ge, die mich schon seit eini­gen Mona­ten umtreibt, ist: Was davon ist anders im Fal­le einer Online-Prä­sen­ta­ti­on – und was gilt es even­tu­ell für die­sen Fall zu ergän­zen? Das, was mir bis­her dazu auf­ge­fal­len ist, fin­det sich in die­sem Artikel:

  • Betrach­ten Sie Ihre Prä­sen­ta­ti­on (noch mehr als sonst) als Kon­kur­renz: Schon auf der phy­si­schen Büh­ne kon­kur­rie­ren Sie mit den Foli­en um die Auf­merk­sam­keit des Publi­kums; online im vir­tu­el­len Raum aber nimmt Ihre Prä­sen­ta­ti­on einen Groß­teil des Bild­schirms Ihrer Zuschau­er ein, Ihr eige­nes Video­bild wird meist auf Brief­mar­ken­grö­ße ver­klei­nert. Des­we­gen: Zei­gen Sie nur Foli­en, die wirk­lich rele­vant sind – und been­den Sie danach die Bild­schirm­frei­ga­be, damit Sie wie­der groß im Bild sind. Ihre Prä­senz ist wich­tig (vgl. hier) – m. E. sogar wich­tig genug, um sich ggf. eine „Bild­re­gie“ zu gön­nen, einen Hel­fer, der für Sie zwi­schen Bild­schirm­frei­ga­be und nor­ma­lem Kame­ra­bild wechselt.
  • Beden­ken Sie: Sie haben mehr und weni­ger Platz am Bild­schirm des Publi­kums – und kön­nen sich auf nichts verlassen:

    • Mehr Platz haben Sie, weil der unte­re Teil der Folie, der in klei­ne­ren Räu­men ab der zwei­ten Rei­he von den Köp­fen der Men­schen vor einem min­des­tens teil­wei­se ver­deckt ist, online am Bild­schirm des Zuschau­ers sicht­bar ist. Alles, was ich über die­sen unte­ren Teil der Folie geschrie­ben habe (ins­be­son­de­re bei Live-Demos o. Ä., vgl. bspw. hier), dürf­te also online nicht gelten.
    • Weni­ger Platz steht Ihnen zur Ver­fü­gung, weil Ihr Publi­kum Platz für Bedien­ele­men­te, Teil­neh­mer­lis­te oder das Chat-Fens­ter benö­tigt. Gera­de Letz­te­res ist als Inter­ak­ti­ons­mög­lich­keit womög­lich sogar wich­ti­ger Teil Ihres Vor­trags (vgl. hier) – aber es kos­tet eben wert­vol­len Platz am Bild­schirm – je nach ver­wen­de­ter Soft­ware häu­fig oben, aber auch oft­mals am rech­ten Rand. Nutzt man für sei­ne Online-Prä­sen­ta­tio­nen das alt­her­ge­brach­te Sei­ten­ver­hält­nis von 4:3 (anstatt der „moder­nen“ 16:9), trägt man dem Platz­be­darf am Rand Rechnung:

Online virtuell präsentieren – Seitenverhältnisse 4:3 vs. 16:9

    • Auf nichts ver­las­sen kön­nen Sie sich, weil Sie weder wis­sen, von wel­cher Art End­ge­rät mit wel­cher Bild­schirm­grö­ße (PC/​Notebook mit oder ohne exter­nen Moni­tor, Tablet, Mobil­te­le­fon) Ihr Publi­kum Ihre Foli­en betrach­tet, noch, ob es das Fens­ter mit Foli­en und Video­bild über­haupt im Vor­der­grund haben. Es emp­fiehlt sich also, sei­ne Foli­en so zu gestal­ten, dass sie auch in stark ver­klei­nert noch erkenn­bar sind – und den Vor­trag viel­leicht sogar so zu gestal­ten, dass er auch ohne Foli­en ver­ständ­lich ist. Sie soll­ten zudem dar­auf gefasst sein, mit ande­rer wich­ti­ger Arbeit Ihrer Zuhö­rer zu kon­kur­rie­ren – mei­ner Erfah­rung nach arbei­ten erheb­li­che Tei­le des Publi­kums par­al­lel zum Zuhö­ren an etwas ande­rem; ein nicht wirk­lich fes­seln­der Vor­trag tritt da schnell in den Hintergrund.
  • Schrift soll­te also kei­nes­falls klei­ner sein als im Fal­le einer „nor­ma­len“ Prä­sen­ta­ti­on (vgl. hier) – und Text grund­sätz­lich eher ver­mie­den wer­den: Man kann nicht gleich­zei­tig lesen und zuhö­ren (vgl. hier und hier); die Ablen­kung durch das Lesen text­las­ti­ger Foli­en dürf­te aber wäh­rend einer Online-Prä­sen­ta­ti­on, bei der die Zuhö­rer die Foli­en direkt vor der Nase haben und die Prä­senz des Refe­ren­ten auf Brief­mar­ken­grö­ße redu­ziert ist, ungleich grö­ßer sein.
  • Eben­falls nicht ver­las­sen kann man sich auf Ani­ma­tio­nen und Foli­en­über­gän­ge: Ob die­se online für die Zuschau­er eini­ger­ma­ßen ruck­el­frei dar­ge­stellt oder womög­lich sogar gänz­lich unter­schla­gen wer­den, hängt vor allem mit der ver­wen­de­ten Software(-Version) und der zur Ver­fü­gung ste­hen­den Band­brei­te zusam­men. Bei­des kön­nen Sie nur bedingt steu­ern, ver­las­sen Sie sich nicht dar­auf. Ich per­sön­lich ver­tre­te schon län­ger die Auf­fas­sung, man sol­le Ani­ma­tio­nen nur ein­set­zen, wenn Sie inhalt­lich etwas bei­tra­gen (vgl. hier) – da man sich auf die Funk­tio­na­li­tät nicht ver­las­sen kann, soll­ten Sie sie auch nicht zum Bestand­teil Ihrer Kom­mu­ni­ka­ti­on machen. Ver­zich­ten Sie am bes­ten auf Ani­ma­tio­nen und ani­mier­te Folienübergänge.
  • Exkurs: Sonderfall Microsoft Teams (1)

  • Micro­soft Teams ermög­licht es Ihnen, Power­Point-Prä­sen­ta­tio­nen nicht nur über das Tei­len Ihres Bild­schirms oder eines der Fens­ter an Ihrem Bild­schirm frei­zu­ge­ben, son­dern auch als Power­Point-Datei selbst. In die­sem Fall erfolgt die Dar­stel­lung der Prä­sen­ta­ti­on am jewei­li­gen End­ge­rät des Zuhö­rers unter Ver­wen­dung von Power­Point Online. Ani­ma­tio­nen und Foli­en­über­gän­ge lau­fen dann am jewei­li­gen End­ge­rät und ent­spre­chend flie­ßend und Sie kön­nen sogar dem Publi­kum erlau­ben, wäh­rend des Vor­trags eigen­stän­dig durch die Foli­en zu blättern​1. Zu beden­ken ist dabei, dass Power­Point Online nur eine Unter­men­ge der Funk­tio­na­li­tä­ten des „ech­ten“ Power­Points unter­stützt – und sich (wie für Cloud-Anwen­dun­gen typisch) durch auto­ma­ti­sche Updates kon­ti­nu­ier­lich ändert. Ani­ma­tio­nen eher vor­sich­tig ein­zu­set­zen und vor allem kurz­fris­tig vor dem Vor­trag noch ein­mal zu tes­ten, erscheint mir dem­entspre­chend als sehr empfehlenswert.
  • Extrem hilf­reich für Online-Prä­sen­ta­tio­nen ist ein zwei­ter Bild­schirm: Mit fast allen Video­kon­fe­renz-Pro­duk­ten lässt sich ohne zwei­ten Bild­schirm die Refe­ren­ten­an­sicht mit den Spre­cher­no­ti­zen (vgl. hier und hier) nicht nut­zen – und möch­te man zusätz­lich zur Prä­sen­ta­ti­on noch die Video-Bil­der des Publi­kums oder den Chat im Blick behal­ten, benö­tigt man ohne­hin mehr Platz am Bildschirm.
  • Exkurs: Sonderfall Microsoft Teams (2)

  • Der hohe Inte­gra­ti­ons­grad der Office-Pro­duk­te beein­druckt mich immer wie­der: Micro­soft Teams ermög­licht es beim Tei­len von Power­Point-Datei­en künf­tig, die Refe­ren­ten­an­sicht zu ver­wen­den, ohne einen zwei­ten Bild­schirm zu nutzen​2.

Bis auf weni­ge hier hof­fent­lich eini­ger­ma­ßen voll­stän­dig ange­führ­te Aus­nah­men gilt m. E. alles, was ich über das Erstel­len von „nor­ma­len“ Prä­sen­ta­tio­nen geschrie­ben habe (vgl. hier), auch für Online-Prä­sen­ta­tio­nen – meist höchst­wahr­schein­lich sogar deut­lich mehr; die Wahr­neh­mung der Foli­en durch das Publi­kum ist am eige­nen Bild­schirm ja ver­mut­lich deut­lich inten­si­ver. Wirk­lich rele­vant – rele­van­ter als Ihr eige­nes Video­bild als Refe­rent – dürf­ten meist aber nur eini­ge weni­ge Foli­en sein. Der Erstel­lung die­ser weni­gen wich­ti­gen Foli­en Auf­merk­sam­keit zu wid­men, dürf­te sich lohnen!

Fuß­no­ten:

  1.  Ich hal­te gera­de die­se Funk­tio­na­li­tät für extrem ablen­kend und kann mir in ech­ten Vor­trags­si­tua­tio­nen kei­nen sinn­vol­len Anwen­dungs­fall vor­stel­len. In klei­ne­ren Bespre­chun­gen und bei­spiels­wei­se bei der Vor­be­rei­tung von Vor­trä­gen könn­te es aber durch­aus hilf­reich sein.
  2.  Vgl. <https://​www​.onmsft​.com/​n​e​w​s​/​m​i​c​r​o​s​o​f​t​-​t​e​a​m​s​-​u​s​e​r​s​-​c​a​n​-​n​o​w​-​t​e​s​t​-​p​o​w​e​r​p​o​i​n​t​-​p​r​e​s​e​n​t​e​r​-​v​i​e​w​-​t​o​-​k​e​e​p​-​t​h​e​i​r​-​m​e​e​t​i​n​g​s-on-track> (31.01.2021) bzw. <https://​www​.micro​soft​.com/​d​e​-​d​e​/​m​i​c​r​o​s​o​f​t​-​3​6​5​/​r​o​a​d​m​a​p​?​f​e​a​t​u​reid=68903> (31.01.2021).

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