Drei gute Gründe, in Videokonferenzen möglichst immer ein Headset zu benutzen – ein Plädoyer

So sehr ich das Visu­el­le lie­be: Ein Groß­teil der Kom­mu­ni­ka­ti­on in Bespre­chun­gen erfolgt ver­bal, „off­line“ eben­so wie in Online-Mee­tings. Die Sprach­ver­ständ­lich­keit dürf­te also der ent­schei­dends­te Fak­tor für den Erfolg sein – und gera­de dar­um ist es in Video­kon­fe­ren­zen erstaun­lich oft schlecht bestellt. Dafür gibt es natür­lich unter­schied­lichs­te Ursachen​1, der größ­te Bei­trag, den man selbst zur Ver­mei­dung die­ses Pro­blems leis­ten kann, ist m. E. jedoch, immer ein (mög­lichst gutes) Head­set zu benutzen:

  1. In aller Regel sind sowohl Mikro­fon als auch Laut­spre­cher eines Head­sets qua­li­ta­tiv bes­ser (und auch bes­ser auf Spra­che abge­stimmt) als die ins End­ge­rät inte­grier­ten Komponenten.
  2. Das Mikro­fon eines Head­sets befin­det sich viel näher und vor allem auch in kon­stan­ter Nähe zum Mund. Die­se kon­stan­te Nähe ermög­licht nicht nur eine bes­se­re Ton­qua­li­tät und eine gleich­blei­ben­de Laut­stär­ke, sie redu­ziert vor allem auch Stör­ge­räu­sche und ins­be­son­de­re den Hall des Rau­mes, in dem man sich befin­det. Die Raum­akus­tik hat extre­men Ein­fluss auf die Sprach­ver­ständ­lich­keit – und vor allem Hall kann die Ver­ständ­lich­keit mas­siv reduzieren. 
  3. Neben der eigent­li­chen Ton­qua­li­tät spielt auch noch ein ande­rer, oft über­se­he­ner, aber umso wich­ti­ge­rer Fak­tor eine Rol­le: Neh­me ich „frei­spre­chend“ ohne Head­set an einem Mee­ting teil, muss eine auto­ma­ti­sche Echo-Unter­drü­ckung erfol­gen, um zu ver­hin­dern, dass mei­ne Stim­me aus den Laut­spre­chern der Gesprächs­part­ner in deren Mikro­fo­ne gelangt und ich mei­ne eige­ne Stim­me als „Echo“ höre. Im schlimms­ten Fall führt die­se Echo-Unter­drü­ckung dazu, dass das eige­ne Mikro­fon oder die Mikro­fo­ne der ande­ren Teil­neh­mer qua­si auto­ma­tisch und ohne Zutun der Teil­neh­mer gemu­tet wer­den – ein fast schon siche­res Rezept für ein Mee­ting, in dem durch­ein­an­der­ge­re­det wird und Men­schen anfan­gen, um das Wort zu kämp­fen, ohne für die ande­ren Teil­neh­mer über­haupt hör­bar zu sein. Es ist sicher­lich kein Zufall, dass die chao­tischs­ten Mee­tings, die ich in den letz­ten Mona­ten erlebt habe, prak­tisch immer mit einem oder gar meh­re­ren Teil­neh­mern ohne Head­set statt­fan­den. Benut­zen hin­ge­gen wirk­lich alle ein Head­set, kann der Schall aus den Kopf­hö­rern nicht in die Mikro­fo­ne gelan­gen – die Echo-Unter­drü­ckung wird gar nicht erst aktiviert.

Die Annah­me, ein Head­set die­ne nur dazu, die Hän­de frei zu haben, mag für das „klas­si­sche“ Tele­fo­nie­ren gel­ten, für Video­kon­fe­ren­zen gilt das offen­bar nicht – kurz: In Online-Mee­tings erscheint mir das Head­set essenziell!

Sprachverständlichkeit ist entscheidend für den Erfolg von virtuellen Online-Meetings

Die neue­re psy­cho­akus­ti­sche For­schung zeigt: Spra­che zu ver­ste­hen, ist ein alles ande­re als tri­via­ler Vor­gang. Bevor das eigent­li­che Ver­ste­hen des Inhalts begin­nen kann, muss ja das Gehör­te – letzt­lich Schall­wel­len – ver­ar­bei­tet bzw. ana­ly­siert und über meh­re­re Abs­trak­ti­ons­stu­fen hin­weg schließ­lich als Wort erkannt und dann in einen Gesamt­zu­sam­men­hang gestellt wer­den. Je unge­nau­er und je lücken­haf­ter die eigent­li­che Schall-Infor­ma­ti­on ist, des­to mehr muss das Gehirn bei die­sem Pro­zess leis­ten – und ggf. sogar Infor­ma­ti­ons­lü­cken auf­wän­dig durch „raten“ fül­len. Dass die­ser Zusatz­auf­wand einen gro­ßen Bei­trag zur sog. „Zoom Fati­gue“​2 leis­tet, erscheint mir mehr als nahe­lie­gend. Gute Head­sets leis­ten also ver­mut­lich einen gro­ßen Bei­trag dazu, Video­kon­fe­ren­zen weni­ger anstren­gend zu machen – für einen selbst, aber auch für alle anderen.

Ich per­sön­lich prä­fe­rie­re übri­gens kabel­ge­bun­de­ne Head­sets: Die Rüst­zeit erscheint mir deut­lich niedriger​3 und ich muss nicht dar­an den­ken, noch eine wei­te­re Kom­po­nen­te zu laden. Aber für wel­che Art von Head­set Sie sich auch ent­schei­den: Haupt­sa­che, Sie benut­zen eines!

Fuß­no­ten:

  1.  Unter ande­rem natür­lich auch man­geln­de Band­brei­te, ungüns­ti­ge Pro­xy-Kon­fi­gu­ra­ti­on, über­las­te­te Ser­ver­sys­te­me u. v. m.
  2.  Vgl. <https://​t2in​for​ma​tik​.de/​w​i​s​s​e​n​-​k​o​m​p​a​k​t​/​z​o​o​m-fatigue/> (17.01.2021).
  3.  Das Ein­ste­cken eines 3,5‑mm-Klin­ken­ste­ckers ist ein­fach deut­lich ein­fa­cher und weni­ger feh­ler­an­fäl­lig als das Her­stel­len einer Blue­tooth-Ver­bin­dung.

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