Die Computermaler

Zitate (nicht nur) in Vortrag und Präsentation

Sei­nen Vor­trag und die beglei­ten­de Prä­sen­ta­ti­on mit Zita­ten bekann­ter Drit­ter zu „wür­zen“, ist nicht unüb­lich – und fast eben­so häu­fig sinn­los, pein­lich oder gar ille­gal. Davon, wie man sinn­voll, rich­tig, ästhe­tisch und legal zitiert, han­delt die­ser Arti­kel. Dabei gel­ten die Hin­wei­se die­ses Arti­kels sicher­lich nicht nur für das Zitie­ren in Vor­trä­gen und Prä­sen­ta­tio­nen, son­dern auch für vie­le ande­re Fäl­le. Für das Zitie­ren in wis­sen­schaft­li­chen Arbei­ten sind die­se Hin­wei­se aller­dings ledig­lich not­wen­dig, aber kei­nes­falls hin­rei­chend; für die­sen Fall sei auf ein­schlä­gi­ge Zita­ti­ons­richt­li­ni­en und ‑stan­dards ver­wie­sen.

Sinnvoll zitieren

Auch wenn so man­che mehr oder min­der lau­ni­ge Rede einen ande­ren Ein­druck ver­mit­telt: Nicht jeder Vor­trag, nicht jede Prä­sen­ta­ti­on muss mit Zita­ten gespickt sein. Ein Zitat soll­te einen Sach­ver­halt oder Gedan­ken direkt bele­gen oder einen (meist abs­trak­te­ren) Gedan­ken illus­trie­ren – kurz: Es soll­te einen Sinn haben. Alles ande­re ist „Deko­ra­ti­on“​1, über­flüs­sig und poten­ti­ell störend​2 – und zu den­ken, Ruhm und Glaub­wür­dig­keit des Urhe­bers eines ledig­lich „deko­ra­ti­ven“ Zitats wür­den auf einen selbst als Refe­ren­ten qua­si „abfär­ben“, ist ein Irr­glau­be. Zita­te, die kein klar erkenn­ba­rer Bestand­teil der Dia­lek­tik oder Rhe­to­rik des Vor­trags sind, wir­ken wie (meist pein­li­che) Fremd­kör­per im Fluss der Argumentation​3.

Richtig zitieren

Sieht man ein­mal von Marc-Uwe Klings (<http://​www​.mar​cu​we​kling​.de>) „run­ning gag“ mit den falsch zuge­ord­ne­ten Zitaten​4 ab, ist fal­sches Zitie­ren ein­fach nur unglaub­lich pein­lich – vor allem, wenn es jeman­dem im Publi­kum auf­fällt! Typisch sind hier nach mei­ner Erfah­rung sechs poten­ti­ell sehr unan­ge­neh­me Feh­ler:

Ver­mei­den las­sen sich die­se Pro­ble­me sehr ein­fach: Prü­fen und über­den­ken Sie jedes Zitat so genau wie mög­lich! Was für die wis­sen­schaft­li­che Arbeit gilt (und im Zuge der Über­prü­fung ver­schie­dens­ter Pro­mo­tio­nen eigent­lich gera­de im Fokus der Öffent­lich­keit sein soll­te), soll­te für jede öffent­li­che Äuße­rung gel­ten – gilt also in leicht abge­schwäch­ter Form auch für Prä­sen­ta­tio­nen und Vor­trä­ge, möch­te man Pein­lich­kei­ten ver­mei­den:

All das klingt nach viel Arbeit – und genau das ist es auch! Beschleicht Sie nun das Gefühl, dass dies zu viel Arbeit für das ein­fa­che Zitat ist, das Sie „mal eben kurz“ in Ihren Vor­trag inte­grie­ren möch­ten, so ist das ein recht siche­res Zei­chen dafür, dass das Zitat womög­lich gar nicht so wich­tig ist, womög­lich gar nicht wirk­lich etwas zu Ihrem Vor­trag bei­trägt, kei­nen Sinn (s. o.) erfüllt. Ein sinn­haf­tes Zitat lohnt die­se Arbeit.

Ästhetisch zitieren

Man kann nicht gleich­zei­tig lesen und zuhö­ren; (viel) Text auf den Prä­sen­ta­ti­ons­fo­li­en ist eher stö­rend als hilf­reich (vgl. hier). Das Zitat ist hier jedoch m. E. eine der sel­te­nen Aus­nah­men: Den (kur­zen) zitier­ten Text für alle sicht- und les­bar zu pro­ji­zie­ren, schafft ähn­lich einer Illus­tra­ti­on (vgl. hier) einen wei­te­ren Rezeptions-„Kanal“; gleich­zei­tig zu lesen und zu hören erscheint mir in die­sem Fall sinn­voll – vor allem auch, um sicher­zu­stel­len, dass die­je­ni­gen, die das eigent­li­che Zitat im gespro­che­nen Wort ver­passt haben, den wei­te­ren Aus­füh­run­gen fol­gen kön­nen.

Wie nun aber gestal­te ich die Folie mit dem Zitat?

Glück­li­cher­wei­se erfor­dert ein wört­li­ches Zitat im Deut­schen eine Rei­he von typo­gra­phi­schen Kenn­zeich­nun­gen (zur Typo­gra­phie in Prä­sen­ta­tio­nen vgl. hier), die sich wun­der­bar gestal­te­risch ver­ar­bei­ten las­sen:

Glück­li­cher­wei­se ersetzt Power­Point Anfüh­rungs­stri­che, drei auf­ein­an­der­fol­gen­de Punk­te und zum Bei­spiel auch Bin­de- bzw. Gedan­ken­stri­che16 in den meis­ten Situa­tio­nen auto­ma­tisch durch ihr kor­rek­tes typo­gra­phi­sches Äqui­va­lent.

Das „Spie­len“ mit die­sen typo­gra­phi­schen Ele­men­ten eröff­net unend­li­che Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten – unter (in die­sem ein­deu­ti­gen Fall m. E. legi­ti­mem) Weg­las­sen des schlie­ßen­den Anfüh­rungs­strichs ergibt sich bei­spiels­wei­se fol­gen­des recht typi­sche Foli­en­de­sign:

Man beach­te: Urhe­ber und Quelle​17 sind zwar nicht exakt ange­ge­ben, aber zumin­dest in nach­voll­zieh­ba­rer Form gekenn­zeich­net.

Ein­schlä­gi­ge Vor­la­gen-Biblio­the­ken für Power­Point bie­ten unter­schied­lichs­te Vor­la­gen für Zita­te (im Eng­li­schen: „Quo­tes“; Goog­le-Bil­der­su­che nach „Power­Point Quo­te“); las­sen Sie sich inspi­rie­ren! Wich­tig bei der Gestal­tung der Folie sind m. E. drei Din­ge:

Legal zitieren

Was sich für Bil­der in Prä­sen­ta­tio­nen bereits her­um­ge­spro­chen hat, gilt ana­log auf für sprach­li­che Äuße­run­gen: Sie unter­lie­gen dem Urhe­ber­recht (§ 51 UhrG, vgl. hier). Ohne an die­ser Stel­le eine Rechts­be­ra­tung begin­nen zu wol­len – dazu bin ich weder qua­li­fi­ziert noch berech­tigt – sei auf Fol­gen­des hin­ge­wie­sen:

Dar­über hin­aus sind – für Prä­sen­ta­tio­nen weni­ger rele­vant – Groß­zi­ta­te nur in wis­sen­schaft­li­chen Wer­ken zuläs­sig. Auf der siche­ren Sei­te ist man natur­ge­mäß, falls das Urhe­ber­recht bereits erlo­schen (also die Regel­schutz­frist abge­lau­fen) ist – für Über­set­zun­gen kann hier­bei aller­dings ein womög­lich um hun­der­te Jah­re ande­rer Frist­be­ginn gel­ten als für das Ori­gi­nal. Eine im Ver­gleich zu die­sen kur­zen Aus­füh­run­gen deut­lich qua­li­fi­zier­te­re und umfang­rei­che­re Dar­stel­lung der Rechts­la­ge nebst einer auch für Nicht-Juris­ten hand­hab­ba­ren Check­lis­te fin­det sich übri­gens unter <http://​rechts​an​walt​-schwen​ke​.de/​t​e​x​t​e​-​r​i​c​h​t​i​g​-​z​i​t​i​e​r​e​n​-​s​t​a​t​t​-​p​l​a​g​i​i​e​r​e​n​-​a​n​l​e​i​t​u​n​g​-​m​i​t​-​c​heckliste/>.

Spar­sam und gezielt ein­ge­setzt kön­nen Zita­te nicht nur Fak­ten bele­gen, son­dern einen Vor­trag und eine Prä­sen­ta­ti­on wun­der­bar berei­chern – anre­gend „wür­zen“. Sie ähneln dabei weni­ger dem (fast immer not­wen­di­gen) Salz, son­dern viel­mehr einem exo­ti­schen Gewürz, das gezielt, rich­tig ver­ar­bei­tet und in der rich­ti­gen Men­ge ein­ge­setzt einen wert­vol­len Bei­trag zum Gesamt­erleb­nis leis­ten kann.

Fuß­no­ten:

  1.  Ana­log zu mei­nen Über­le­gun­gen zum Visu­el­len.
  2.  Und ja, ich weiß. Auch ich kann – u. a. hier im Blog – der Ver­su­chung nicht immer wider­ste­hen.
  3.  Und sind übri­gens poten­ti­ell nicht durch das Urhe­ber­recht gedeckt, sie­he unten.
  4.  Vgl. u. a. <http://​www​.mar​cu​we​kling​.de/​w​e​r​k​e​/​#​d​e​r​-​f​a​l​s​c​h​e-kalender>.
  5.  Im Ori­gi­nal: „Kein Ope­ra­ti­ons­plan reicht mit eini­ger Sicher­heit über das ers­te Zusam­men­tref­fen mit der feind­li­chen Haupt­macht hin­aus.“ Vgl. <https://​de​.wiki​quo​te​.org/​w​/​i​n​d​e​x​.​p​h​p​?​t​i​t​l​e​=​H​e​l​m​u​t​h​_​K​a​r​l​_​B​e​r​n​h​a​r​d​_​v​o​n​_​M​o​l​t​k​e​&​o​l​did=491470>.
  6.  Im Ori­gi­nal: „Il meglio è l’i­ni­mi­co del bene.“ bzw. „Das Bes­se­re ist der Feind des Guten.“ Vgl. <https://​de​.wiki​quo​te​.org/​w​/​i​n​d​e​x​.​p​h​p​?​t​i​t​l​e​=​V​o​l​t​a​i​r​e​&​o​l​did=492955>.
  7.  Vgl. u. a. <http://​www​.zeit​.de/​2​0​0​1​/​0​6​/​2​0​0​1​0​6​_​s​t​i​m​m​t​s​_​luther.xml>. Luthers Werk gehört zu den am bes­ten erforsch­ten Wer­ken über­haupt – dass das Zitat dort nicht nach­weis­bar ist, ist ein ziem­lich ein­deu­ti­ges Zei­chen für eine fal­sche Zuschrei­bung.
  8.  Vgl. z. B. die zusam­men­fas­sen­de popu­lär­wis­sen­schaft­li­che Dar­stel­lung unter <http://​www​.welt​.de/​k​u​l​t​u​r​/​a​r​t​i​c​l​e​3​1​0​0​2​1​4​/​U​e​b​e​r​s​e​t​z​u​n​g​s​f​e​h​l​e​r​-​m​a​c​h​t​e​-​M​a​r​i​a​-​z​u​r​-​J​u​n​gfrau.html>.
  9.  Vgl. bspw. <http://www.heise.de/mac-and‑i/meldung/Silikon-und-Sprengstoff-Uebersetzungsfehler-in-Jobs-Biografie-1418764.html>. „Sili­con“ ist ein wirk­lich pein­li­cher „fal­se fri­end“.
  10.  Vgl. <https://​de​.wiki​quo​te​.org/​w​/​i​n​d​e​x​.​p​h​p​?​t​i​t​l​e​=​A​l​b​e​r​t​_​E​i​n​s​t​e​i​n​&​o​l​did=492322>
  11.  Vgl. <https://​de​.wiki​pe​dia​.org/​w​i​k​i​/​A​l​b​e​r​t​_​E​i​n​s​t​e​i​n​#​E​i​n​s​t​e​l​l​u​n​g​_​z​u​r_Religion>.
  12.  Vgl. <https://​de​.wiki​pe​dia​.org/​w​i​k​i​/​T​h​e​m​e​n​z​e​n​t​r​i​e​r​t​e​_​I​n​t​e​r​a​k​t​i​o​n​#Postulate>.
  13.  Nach mei­nem Ein­druck beson­ders häu­fig, indem ein­zel­ne Wör­ter mehr oder min­der frag­wür­di­ger Über­set­zun­gen von Men­schen ohne Alt­grie­chisch- und Hebrä­isch-Kennt­nis­se und ohne jede alt­phi­lo­lo­gi­sche Vor­er­fah­rung auf eine (schlecht geeich­te) Gold­waa­ge gelegt wer­den.
  14.  Nicht ohne Grund zitie­re ich Wiki­quo­te hier aus­schließ­lich mit Per­man­ent­links; die jeweils rele­van­ten Zita­te in der zitier­ten Arti­kel-Ver­si­on habe ich über­prüft.
  15.  Vgl. <http://​smart​quo​tes​fors​mart​peop​le​.com/>.
  16.  Zum Unter­schied zum Bin­de­strich sie­he <http://​typefac​ts​.com/​a​r​t​i​k​e​l​/​g​r​u​n​d​l​a​g​e​n​/​b​i​n​d​e​s​t​r​i​c​h​-​g​e​d​a​nkenstrich>.
  17.  Scho­pen­hau­er, Arthur: Par­er­ga und Para­li­po­me­na: klei­ne phi­lo­so­phi­sche Schrif­ten, Band 2, 2. Aufl. Ber­lin: A. W. Hahn 1862. S. 583.