Mein größtes Problem mit Webcasts ist, dass ich oft recht schnell damit kämpfe, nicht einzunicken – naturgemäß je nach Thema und rhetorischen Fähigkeiten des Referenten unterschiedlich stark und unterschiedlich schnell. Wach und aufmerksam zu bleiben, fällt vermutlich nicht nur mir in Präsenz deutlich leichter. Meine Checkliste als Teilnehmer eines Webcasts umfasst dementsprechend vor allem starken Kaffee.
Viel leichter fällt es mir, auf der Sender-Seite im WebCast bzw. Webinar zu sein, als Referent zu agieren. Dabei allerdings kann auch so einiges schiefgehen – und so hat sich im Laufe der Jahre eine aufgrund meiner jeweiligen Erlebnisse langsam anwachsende ganz persönliche Checkliste entwickelt, die ich hier einmal (mehr als Anregung für eine jeweils eigene Checkliste!) veröffentlichen möchte:
Für Ruhe sorgen:
- Alle Telefone lautlos stellen – auch das längst vergessene Festnetz!
- Alle Softphone-Anwendungen und Messenger stumm schalten oder (sicherer) beenden
- Türen und Fenster schließen, übrige Anwesende informieren und ggf. ein Warnschild aufhängen
- Die Haustürklingel ausschalten und den Hund (a. k. a. „lebende Zweit-Klingel“) an einen störungsfreien Ort weg sperren1
Die Technik vorbereiten und testen:
- Alle Bluetooth-Verbindungen zum Headset deaktivieren – natürlich bis auf die eine für den Webcast notwendige. Auch ein stummgeschaltetes Mobiltelefon klingelt potenziell im Headset, kann die Headset-Verbindung zum Computer womöglich sogar mitten im Webcast übernehmen oder zumindest stören (für Sie getestet!).
- Akkus bzw. Stromversorgung involvierter Geräte kontrollieren (PC, Headset, eventuell weitere Geräte). Es gibt kaum etwas Unangenehmeres als ein mitten im Vortrag leeres Headset – oder gar ein Notebook, das sich herunterfährt, weil der Akku bei abgeschalteter Steckerleiste nun einmal irgendwann alle ist.
- Bild- (inkl. Licht‑) und Ton-Test – wirklich jedes einzelne Mal. Im Zweifel gab es seit dem Vortag ein Update irgendeiner relevanten Komponente (oder irgendeine Einstellung wurde verstellt), der Test unmittelbar vor dem Webcast lohnt sich also auf jeden Fall. Mehr zum Thema „Kamera“ hier, mehr zum Thema „Headset/Mikrofon“ hier.
- Test der Bildschirmfreigabe und der Präsentation – auch hier gilt: Zwischenzeitlich erfolgte Updates (in diesem Fall auch der Präsentationssoftware) können einem durchaus in die Suppe spucken. Meiner Erfahrung nach empfiehlt es sich, wirklich die komplette Präsentation mit allen Animationen o. Ä. einmal komplett Folie für Folie über die Bildschirmfreigabe zu testen. Mehr zum Thema Online-Präsentation hier und hier.
- Ein kabelgebundenes Ersatz-Headset bereitlegen2
Sich selbst bereit machen
Die Technik ist nur das Transportmedium, die Präsentation lediglich den Vortrag begleitend. Der wirkliche „Star“ ist man selbst und das, was man zu sagen hat! Idealerweise ist man also ausgeschlafen, vorbereitet und hat geübt. Es ist viel geschrieben worden über die vermeintlichen Geheimnisse der Keynote-Präsentationen von Steve Jobs. Das vermutlich größte Geheimnis aber ist: Er hat geübt, wirklich viel geübt3. Sich davon eine Scheibe abzuschneiden, bringt vermutlich mehr als alle tollen Tipps zur Präsentationsgestaltung.
Daneben kann man auch noch das eine oder andere bereitlegen oder tun, um vorbereitet(er) zu sein, für mich persönlich z. B.:
- Meine Wasserflasche und ggf. Hustenbonbons
- An heißen Tagen oder falls professionelle Studio-Beleuchtung benutzt wird, benutze ich tatsächlich manchmal Transparent-Puder, um nicht allzu sehr bzw. möglichst nur inhaltlich zu glänzen.
Jetzt steht – zumindest nach meinen bisherigen Erfahrungen – einem erfolgreichen Webcast zumindest technisch nichts mehr im Wege. Der inhaltliche Erfolg hängt naturgemäß vor allem von den Inhalten ab – und dieses Thema steht auf einem völlig anderen Blatt!
Apropos erfolgreich – ganz zum Schluss noch mein ultimativer Check für den Erfolg eines Webcasts oder Webinars, sehr einfach, aber m. E. auch sehr aussagekräftig:
Wie viele Teilnehmer gehen zum Ende des Webcasts zeitnah und eigenständig aus der Session heraus – sind also wirklich anwesend gewesen und nicht eingeschlafen?
Footnotes:
- ↑ Nicht nur ein bellender, sondern auch ein schnarchender Hunde ist im Hintergrund übrigens potenziell hörbar – für Sie getestet und für alle Ewigkeit in einem Podcast konserviert.
- ↑ Selbst die Tagesschau verfügt über diese Fallback-Option, vgl. bspw. <https://www.n‑tv.de/leute/Judith-Rakers-greift-ploetzlich-zur-Oldschool-Methode-article24108265.html> (24.02.2026).
- ↑ vgl. bspw. <https://michaelgerharz.com/die_wahrheit_ueber_steve_jobs_reality_distortion_field/> (26.02.2026).
